Der Weg der Katze zum Haustier – Teil 2

Die Ägyptische Zivilisation und die Hauskatze

Die Katze erlebte die erste große Zeit der mythologischen Verehrung im alten Ägypten zur Zeit des bekannten Pharaos Tut-ench-Amun und des mächtigen Pharaos Ramses (um 1480 – 1000 v.Chr.). Ägypten war das größte Kornanbaugebiet der Antike. Die reichen Kornkammern zogen reihenweise Ratten und Mäuse an, diese wiederum die Katzen. Erst wurden sie von den Menschen nur geduldet, doch schon bald erkannte man ihren Nutzen und kurze Zeit später wurden sie über alles geliebt und verehrt.

Zweifellos nimmt die Katze aber in der Mythologie der Ägypter einen besonderen Platz ein. Auch schätzten die Ägypter die Verwandtschaft von Katze und Löwe. Sie wurde zum heiligen Tier der Göttin Isis und später der Göttin Bastet, die zuerst mit einem Löwenkopf, dann mit einem Katzenkopf, dargestellt wurde. Sie galt als Mond- und Liebesgöttin. Katzen brachte man aufgrund ihrer Fruchtbarkeit mit der Liebesgöttin in Verbindung. Die Beziehung zur Mondgöttin beruht auf den sich verändernden Pupillen der Katzen: Man nahm an, dass sie sich mit dem zu- und abnehmenden Mond weiteten und verengten.

In Bubastis, an den Ufern des Nil, wurde Bastet zu Ehren ein großer Tempel erbaut. Der darin enthaltene Schrein barg möglicherweise die höchste aller Tempelkatzen. Die Katze symbolisierte fette Jahre und somit Fruchtbarkeit. Deshalb wurde die Tötung einer Katze auch als Todsünde betrachtet und musste mit dem Leben bezahlt werden.

Wenn eine Katze starb herrschte im ganzen Haus tiefe Trauer. Als Zeichen dieser Trauer rasierten sich alle Hausbewohner die Augenbrauen und das tote Tier wurde mumifiziert. Mit diesem Brauch verfolgte man die Absicht, den Körper für die baldige Auferstehung zu erhalten. Je reicher die Familie, desto mehr Aufwand wurde betrieben, gleichgültig ob Mensch oder Tier.

Die Körper wurden einbalsamiert und mit Bändern aus Leinen (bei reicheren Familien) oder Baumwolle (bei ärmeren Familien) umwickelt. Oftmals sogar mit farbigen Bändern. Anschließend wurde das Gesicht bemalt und die Ohren aufgerichtet. Der Leichnam wurde dann in ein kleines Kästchen oder in einen Schrein aus Holz oder Metall gelegt. Ab und zu wurde der Sarg reich verziert oder mit einer Statue der Katze versehen. Viele Mumien wurden zum Begräbnis nach Bubastis gebracht, andere kamen nach Beni Hassan in Mittel-Ägypten.

Die ursprüngliche ägyptische Bezeichnung für „Katze” war “MAU”, was sich vermutlich aus ihren Ruf “MIAU” herleitet, aber auch „sehen” bedeutet. Die Ägypter nahmen an, dass der unbewegte Blick der Katze die Fähigkeit verlieh die Wahrheit zu entdecken und ins Jenseits zu sehen. So hieß BASTET auch die “Herrin der Wahrheit”. Integriert in die Mumienzeremonie sollte sie ein Leben nach dem Tod sicherstellen.

Zwei Jahrtausende lang wurde die Katze im alten Ägypten angebetet; das beweisen zahlreiche Überlieferungen in Form vieler Wandmalereien usw., auf denen Katzen in allerlei Situationen und Lebenslagen abgebildet sind. Es gibt ägyptische Katzenfiguren in allen Formen und Größen und aus den verschiedensten Materialien, wie Bronze, Kupfer und auch Gold. Einige davon sind mit Halsbändern und goldenen Ohrringen geschmückt. Ägyptische Statuen der BASTET  dokumentieren auch ihre Verbindung mit Fruchtbarkeit und Lust: Sie wird als aufrecht stehende Figur mit einem wachsamen Katzenkopf dargestellt, in der einen Hand ein Sistrium (Rassel) in der anderen ein löwenköpfiges Aegis oder Schild.

Diese symbolische Fruchtbarkeit der Göttin wurde noch betont durch die Darstellung mehrerer Kätzchen (meistens 5) zu Füßen der Statue. Man hat ebenfalls Hals- und Armbänder entdeckt, die von Katzenbesitzern getragen wurden und aus mehreren Reihen von winzigen kleinen Katzenfiguren bestanden. Vermutlich Fruchtbarkeitsamulette mit Abbildungen der BASTET und ihrer Katzenfamilie.

Die meisten der ausgegrabenen Statuetten stellten sehr schlanke Katzen mit keilförmigen Köpfen und spitzen Ohren dar (ähnlich wie Siamkatzen). Nur einige wenige stellen Katzen mit runden Köpfen und eher runden Ohren dar. Somit ist offensichtlich, dass schon die Ägypter Katzen in verschiedenen Formen und Farben kannten.

Strenge Regelungen verboten die Ausfuhr von Katzen aus Ägypten, da sie als wertvolles und heiliges Gut galten. Doch gerade dieses Verbot veranlasste fremde Völker ständig Schmuggel-Versuche zu unternehmen. Die Phönizier waren die ersten „Katzen-Schmuggler”. Mit ihnen kam die Katze nach Italien, Gallien und Britannien.

Thema morgen: Die Römer, Europa und England, im fernen Osten

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